Neue Website online

Banner der neuen Website
Die neue Website ist online!
Alle weiteren Neuigkeiten, Marierialien etc. findet ihr deshalb ab jetzt unter http://mastanlagenwiderstand.de/.

Anlagenübersicht

Ansbach – ein riesen Erfolg

Das Landratsamt Ansbach hat nun endgültig bestätigt, dass der Antrag auf Erweiterung einer Hühnermastanlage um 100 000 Tierplätze vom Landwirtzurückgezogen wurde.
An diesem Beispiel zeigt sich erneut, wie wichtig und hilfreich es ist, möglichst früh von der Planung von Tierfabriken zu erfahren und Widerstand zu leisten.

Schmähigen

Der seit 2010 gestellte Antrag auf Neuerrichtung einer Hühnermastanlage mit 80000 Tierplätzen wurde im Sommer offiziell vom Bauherrn zurückgezogen, weil ihm der Widerstand seitens MASTANLAGEN WIDERSTAND zu groß wurde und das Bündniserfolgreich Fehler im Genehmigungsverfahren aufdeckte.
Nun will der Landwirt Jörg Benniger eine bereits 2008 genehmigte, kleinereAnlage mit 40 000 Tieren bauen.
Dieses Vorhaben ist aus unserer Sicht jedoch nicht rechtskräftig, weil eine Genehmigung nach 2 Jahren verfällt. Außerdem gab es eine Änderung im Bezug auf die Grenzwerte für Ammoniak, somit wurde mit EU verfassungswidrigen Grenzwerten gearbeitet.
Im Moment suchen wir das Gespräch mit dem Bund Naturschutz, um sie aufzufordern gegen diesen Missstand zu klagen.

Dillingen

In Bliensbach im Landkreis Dillingen ist erst kürzlich eine Tierfabrik mit 60000 Tieren für Christoph Schmid genehmigt worden. In nur 30 Kilometer Entfernung möchte Karl Zacher seine bestehende Tierfabrik mit 39 000 Tieren um
39 000 Tiere erweitern.. Durch Flyer, Infostände, Transpiaktionen und den Austausch mit Anwohner_Innen, ist es gelungen das Thema in die regionale Presse zu bringen, die Genehmigungsverfahren zu verzögern, klagebereite Menschen zu finden, bürgerliche Proteste vor Ort zu unterstützen und bei diesen Menschen eine Offenheit für Aktionen von Tierbefreiungsaktivist_Innen von MASTANLAGEN
WIDERSTAND zu schaffen.
Das Aktionsbündnis StopptDenSaustall, zusammengesetzt aus widerständigen Bürger_Innen aus verschiedenen Landkreisen, hat sich formiert und treibt mit Unterstützung von MASTANLAGEN WIDERSTAND Proteste und vor allem auch Vernetzung und Informationsaustausch voran.
Aktuell wurde in Bliensbach die Anlage mit der Auflage eine aufwendige Filteranlage einzubauen, genehmigt. Da diese Bedingung mit hohen Kosten verbunden, stellt sich für den Bauherrn Christoph Schmid die Frage, ob sich das Vorhaben weiterhin rentabel ist. Eine Möglichkeit die kostspielige Auflage zu umgehen, wäre eine Ortsverlegung. Dies würde jedoch wiederum bedeuten, dass das Genehmigungsverfahren von neuem aufgerollt werden muss, der Bau erheblich verzögern würde und die Möglichkeit für MASTANLAGEN WIDERSTAND bestünde, auf die Ablehnung der Genehmigung hinzuarbeiten.
Im Moment warten wir also auf die Entscheidung des Bauherrn, um die weitere Vorgehensweise zu planen.

In Ziertheim stößt der Bauherr Karl Zacher auf viel Widerstand sowohl Seitens der Anwohner_Innen, als auch der Stadt. Diese ließ ein Gutachten erstellen, wodurch der Antragsteller wahrscheinlich Änderungen im Bauantrag vornehmen muss. Im Moment wird dieses Gutachten überprüft. Danach wird es hoffentlich zu einer erneuten Auslage des Antrags und somit zu einem erneutem Einwendungszeitraum kommen.

Loiching

Hier wurde beim Landratsamt eine Anfrage auf Erweiterung angefragt. Wir konaktieren den Bauherrn und er versicherte uns, dass er die Anfrage auf Grund der Auflagen zurückzog. Um sicher zu gehen, lassen wir uns die Aussage vom zuständigen Landratsamt schriftlich bestätigen.

Eichstätt

Eine im Genehmigungsverfahren befindliche Anlage, die von 40 000 auf 80 000 Tiere erweitert werden soll. MASTANLAGEN WIDERSTAND konnte eine Unterstützerin vor Ort finden, es wurde Akteneinsicht gestellt. Die Anlage soll als Privathofanlage betrieben werden, und eine Tierzahl von 54 000 erreichen. Jederzeit ist es aber nach derzeitigem Genehmigungsstand möglich die höhere Tierzahl von 80 000 zu erreichen. Im Genehmigungsverfahren wurde die Öffentlichkeit praktisch nicht informiert. Es gab dementsprechend keine Einwendungen. Mit Öffentlichkeitsarbeit soll darüber informiert und das Verfahren kritisiert werden.

Obertrennbach

Die Anlage soll von derzeit 39.500 auf 79.000 Tiere erweitert werden. Der Erörterungstermin war bereits, es gab Einwendungen gegen das Bauvorhaben. Im moment muss ein Gutachten überprüft werden und es fehlen noch Unterlagen, weil er beim Erörterungstermin verschiedene Auflagen gemacht wurden. MASTANLAGENWIDEERSTAND stellt erneut Akteneinsicht und lässt gegebenenfalls Akteneinsicht.

Coburg/Ahorn

Eine Bürgerinitiative kämpft seit Jahren gegen die Anlage mit 39 145 Hühnern. Der von ihr beauftragte Gutachter kam unter anderem zu dem Schluss, dass Emissionen des geplanten Stalls „teilweise unterschätzt“ wurden, die Parameter für die Immissionsberechnungen der Anlage seien „nicht
immer korrekt gesetzt“.
Es wurde eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht München von Anwohner_Innen beantragt, nachdem der sofortige Vollzug der Baugenehmigung angeordnet wurde.
Den Termin zur Verhandlung bei Annahme der Klage werden wir über Facebook ankündigen.

Dachau

Auf Nachfrage beim Landratsamt Dachau erhielten wir die Auskunft, dass sich eine Hähnchenmastanlage im Genehmigungsverfahren befindet.
Es wurde Akteneinsicht gestellt.

MASTANLAGEN WIDERSTAND auf dem Wintertollwood

vom 20.-23.12.2013

Bei dem diesjährigen Wintertollwood war auch MASTANLAGENWIDERSTAND mit einem Infostand vertreten.

Auf dem gesamten Festivalgelände waren Besucher_innen mit dem Thema Fleischkonsum konfrontiert. So gab es „Bio-Fleisch“ an nahezu allen Verkaufsständen auf dem Gelände.

Dem Bündnis MASTANLAGENWIDERSTAND wurde unterdessen die Infostandplattform geboten, mit der es möglich war, einen kritischen Gegenstandpunkt zu „Biotierhaltung“ zu setzen und über die Möglichkeiten zu informieren, Mastanlagenneubauten zu verhindern.

Mit einem großen Transpi stellten die Aktivist_innen des Bündnisses ihre Position zum Thema dar: „Artgerecht ist nur die Freiheit!“

Diskutiert wurde am Stand viel über Biohaltung und reduzierten Fleischkonsum. Immer wieder haben die Aktivist_innen von MASTANLAGENWIDERSTAND deutlich gemacht, dass es keine „humane“ Schlachtung geben kann und sehr häufig festgestellt, dass viele Leute Biohaltung automatisch mit einem glücklichen Leben der „bioproduzierten Tiere“ verbinden ohne die konkreten Lebensbedingungen der Tiere zu kennen (mehr Hintergründe zu „Biotierhaltung“ findet ihr hier). Besonders naheliegend ist der falsche Schluss auf ein glückliches Leben der Tiere bei Qualitätssiegeln von Tierschutzverbänden, wie dem „Für mehr Tierschutz“- Label vom Deutschen Tierschutzbund, mit denen Privathofwiesenhofprodukte zertifiziert sind. Dass es sich hierbei allerdings um Verbraucher_innentäuschung handelt, beweisen abermals aktuelle Aufnahmen aus Privathofmästereien. Der Deutsche Tierschutzbund war ebenfalls mit einer Kampagne für artgerechte Tierhaltung beim Tollwood vertreten.

Innerhalb der vier Tage, an denen das Bündnis MASTANLAGENWIDERSTAND am Tollwood verteten war, haben sich viele gute Gespräche und Kontakte zu Menschen ergeben, die das Netzwerk unterstützen wollen oder Informationen austauschen möchten.

Für uns war es eine gute Gelegenheit beim Tollwoodfestival, Tierhaltung im Allgemeinen in Frage stellen zu können, „Biohaltung“ als Tierausbeutung und Verbraucher_innentäuschung zu entlarven (Wir müssen weg von der Tierhaltung) und die Arbeit des Bündnisses vorzustellen.

Denn trotz der gut klingenden Zielsetzung z.B. die Förderung des Umweltbewusstseins und guten Ansätzen in der Praxis, gibt es am Festival Kritikpunkte, die das Bündnis an der Gestaltung des Festivals anzubringen hat. Dazu zählt auch die Vermittlung eines guten Konsument_innengewissens, was beim Tollwood u.a. durch die Werbung mit und dem Verkauf von Bio-Fleisch gefördert wird und die kapitalistische Orientierung der gesamten Veranstaltung, die ebenfalls einer ernsthaften Annäherung an gerechte Verhältnisse diametral entgegensteht.

Wir haben auch ein Schreiben an die Organisator_innen des Tollwood Festivals gesandt und diese Kritik an sie herangetragen und bitten auch euch, die Organisator_innen anzuschreiben und sie zur konsequenten Umsetzung ihrer Ziele: Umweltbewusstsein und Lebensfreude aufzufordern: info@tollwood.de.

Pressemitteilung: Heimlich still und leise wird die Hähnchenmastanlage nun doch gebaut.

Bau der Tierfabrik

Seit 2010 war und ist das Thema Wiesenhof auch in Donau-Ries in der Tagespresse. Anlass war damals der Bauantrag einer Mastanlage mit 84.900 Hühnern in Schmähingen. Diese sollte als ein weiterer Zulieferbetrieb, der erst kürzlich auf eine Tötungskapazität von 220.000 Tieren pro Tag erweiterten Schlachtfabrik in Straubing/Bogen, des Großkonzerns Wiesenhof dienen.
Kurz nach Bekanntwerden des Bauvorhabens formierte sich bereits Widerstand durch Tierrechtsaktivist_innen und Proteste gegen die Zustände und Entwicklungen der Tierausbeutungsindustrie, welcher auf die Straßen in Schmähingen und Nördlingen getragen wurde. Der Bund Naturschutz hat mit einem Gegengutachten auf Fehler im Genehmigungsverfahren hingewiesen und auf bisher unzureichend beachtete schützenswerte Fauna-Flora-Habitate (FFH-Gebiete), wie sie immer wieder im Ries zu finden sind.
Ein immissionsschutzrechtliches Gegengutachten hat das Genehmigungsverfahren erst einmal ausgebremst und die Frage aufgeworfen, warum die zuständigen Stellen im Landratsamt zu schützende stickstoffempfindliche Lebensräume in keinem der beiden Bauanträge ausreichend beachtet haben.
Nun sind knapp 3 Jahre vergangen seit der Antragstellung für die große Tierfabrik vergangen und Jörg Benninger hat seine Pläne geändert. Anfang August hat er in einem gemeinsamen Gespräch mit dem Sachbearbeiter Marcus Dums im Landratsamt in Donauwörth bekannt gegeben, dass er die Tierfabrik für 39.000 Hühner bauen wird, die ihm im Jahr 2008 ohne jegliche Beteiligung der Öffentlichkeit genehmigt wurde. All dies passierte im Hintertürchen und die Öffentlichkeit erfährt davon nun nur durch Zufall.
Nun ist der Bau in vollem Gange und es wurden von Seiten des Landratsamts weder die Öffentlichkeit noch der Bund Naturschutz informiert.
Aktivist_innen von MASTANLAGEN WIDERSTAND, einem Bündnis gegen Wiesenhof und dessen Zulieferbetriebe, haben durch zufällige Nachfrage von dem Gespräch und den gegenwärtigen Plänen erfahren.
Doch was ist nun mit den schützenswerten FFH-Flächen? Diese finden weiterhin ungeprüft keine Berücksichtigung, obwohl 2008 mit nach EU-Recht gesetzeswidrigen Grenzwerten bezüglich Ammoniakemmissionen gerarbeitet wurde.
Auch ihre eigene Auflage, dass die Genehmigung nach 24 Monaten Jahren verfällt, wenn der Bau nicht begonnen wurde, scheint das Landratsamt nicht zu stören.
Der bevorstehende Bau muss nach Ansicht des Bündnis MASTANLAGEN WIDERSTAND auf jeden Fall verhindert werden. Die Tierfabrik befindet sich nun in unmittelbarer Nähe zur ebenfalls betriebenen Biogasanlage und wurde von Jörg Benninger selbst in seinem Antrag als gefährlich eingestuft. So lautet es in den Antragsunterlagen für den 84.000er Stall: „Die ursprünglich genehmigte Stallung auf Fl.-Nr. 184 soll nicht errichtet werden, da seitens Veterinäre bzw. der Fachleute Bedenken bestehen, dass der nahe Betrieb der Biogasanlage bei Erntearbeiten oder beim Güllefahren zu Einträgen von Krankheitserregern und dergleichen über die Lüftung in die Stallung führen könnte.“ Außerdem befindet sich der aktuelle Standort nun noch mal um 200- 300 Meter näher an der angrenzenden Siedlung und dem zu schützenden FFH-Gebiet.
„Das Landratsamt versucht nach unserer Einschätzung in Absprache mit dem Bauherrn Benninger den einfachsten Weg, ohne große Aufmerksamkeit und Widerstände zu gehen. Wir vom Aktionsbündnis MASTANLAGEN WIDERSTAND fordern, dass der alte Bauantrag wegen Verjährung nach fünf Jahren als nichtig erklärt wird, dass eine Öffentlichkeitsbeteiligung stattfindet, die Erforderlichkeit einer standortbezogenen Umweltverträglichkeitsvorprüfung geklärt wird und das betroffene Schutzgebiet mit aktuellen und gesetzeskonformen Richtwerten Beachtung findet.“ so Martha, eine Sprecherin des Aktionsbündnisses.
„Außderdem fordern wir alle Bürger_innen von Schmähingen, dem Ries und von überall auf gegen dieses Bauvorhaben und damit gegen Ausbeutung und Unterdrückung aktiv zu werden. Auf Kosten von Tieren und der Umwelt sollen in Schmähingen Jahr für Jahr 292.500 Tiere industriell gemästet werden. Kapitalistisches Profitinteresse ist das einzige was für Wiesenhof und andere Agrarindustrielle zählt.“
Das Aktionsbündnis MASTANLAGEN WIDERSTAND wird auf jeden Fall weiterhin Proteste gegen diese Anlage organisieren und versuchen, diese und andere Tierfabriken zu verhindern.

Stellungnahme zum Prozess in Straubing

Durch Aktivist_innen des Bündnisses Mastanlagen Widerstand wurde im März diesen Jahres der Wiesenhofschlachthof in Bogen bei Straubing erfolgreich durch Ankett- und Kletteraktionen blockiert.

Daraufhin wurden vier Beteiligten Straftaten und Ordnungswidrigkeiten vorgeworfen, die am 24.10.2013 in Amtsgericht Straubing verhandelt wurden.
Nachdem die Art der Prozessführung bei einigen Unterstützer_innen von Mastanlagen Widerstand für viel Verwirrung und teilweise Unverständnis gesorgt haben, möchten wir mit diesem Text verdeutlichen, welche Überlegungen dahinter gestanden haben und wie der Prozess aus unserer Sicht abgelaufen ist:
Die Besetzung des Schlachthofs hatte ein ganz klares Ziel: Mit ihr sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass an diesem Ort Tag für Tag Lebewesen getötet werden und die Kapazität dieser Tötungsmaschinerie zukünftig weiter ausgeweitet werden soll. Es sollte auch gezeigt werden, dass es einen Zusammenschluss von Menschen gibt, die der Ausweitung der Tiernutzungsindustrie nicht zuschaut, sondern gegen sie aktiv wird
Bei dem Prozess teilten die Angeklagten das Anliegen, diese Hintergründe zu thematisieren und in Frage zu stellen, warum die Aktivist_innen angeklagt werden, während das System Wiesenhof mit seiner alltäglichen Gewalt gegen Tiere, der Ausbeutung der Arbeiter_innen und der Zerstörung der Umwelt und Gefährdung der allgemeinen Gesundheit durch staatliche Instanzen geschützt wird. Und dies alles trotz und durch geltende Gesetze, die sich unter anderem Tierschutz- und Umweltschutzgesetz nennen.

Von einigen Aktivist_innen wird daher grundsätzlich bezweifelt, ob Gesetze und Justiz dazu dienen, den Tatsachen auf den Grund zu gehen oder gar Handlungen im Sinne von Gerechtigkeit und Solidarität zu bewirken. Immer wieder machen Aktivist_innen die Erfahrung, dass sie bereits vor dem Prozess vorverurteilt werden. Eine politische Motivation hinter Aktionen führt häufig zudem zu empfindlicheren Strafen.
Sämtliche Strafanzeigen angefangen von Subventionsbetrug über Tierqüälerei, Hygieneverstöße u.v.m. werden nach und nach eingestellt, zu Zeitpunkten, wenn diese Skandale bzw. Zustände nicht mehr im Blick der Öffentlichkeit stehen.
(http://de.wikipedia.org/wiki/PHW-Gruppe).

Hierbei offenbart sich der Charakter des Bürgerlichen Rechtsstaates. Es geht darin nicht um die Durchsetzung und Wahrung der Bedürfnisse von Individuen und damit um Reglen für respektvolles Handeln. Nein, es geht dabei um um die Wahrung von Verhältnissen von in denen z.B. den Besitzer_innen von Schlachtfabriken das Recht auf Vermehrung von Kapital zugestanden wird. Dass dies durch die Ausbeutung von Menschen, durch die Ausbeutung und Tötung von Tieren und durch die Zerstörung Natur erreicht wird, spielt dabei keine Rolle.
Das ist einer der Gründe, warum einige Aktivist_innen, Vertreter_innen der Justiz nicht mit Respekt begegnen und z.B. das Aufstehen verweigern, wenn der Richter den Raum betritt. Außerdem kann diese Haltung auch dazu führen, dass Angeklagte entweder keinerlei Aussagen machen oder es vorziehen, sich selbst zu verteidigen.

Die Strafprozessordnung bietet viel mehr Handlungsspielraum für Angeklagte, als vielen bewusst ist. Viele wissen zwar, dass Angeklagte ohne Anwält_innen das Recht haben, die Akte zu sehen und Kopien davon zu machen. Nicht so bekannt ist beispielsweise, dass auch Zeug_innen geladen werden können und dass auch Anträge aller Art vorgetragen werden dürfen. Unter besonderen Schutz stehen hier Befangenheitsanträge, die von Angeklagten vorgetragen werden können, wenn sie subjektiv empfinden, dass der Richter oder die Richterin ihnen gegenüber voreingenommen ist.
Diese Art der selbstbestimmteren Prozessführung passt nicht in die sonst in Gerichten durchgeführte 15 – Minuten Taktung vonVerhandlungen.

So schien auch der Richter Huber im Prozess um Bogen sofort stark aufgebracht zu sein, als zu Beginn des Prozesses ein ausführlich begründeter Antrag vorgelesen wurde, dessen Inhalt auf die mögliche Befangenheit des Richters abzielte und darüber hinaus viele inhaltliche Aspekte zu dem Wiesenhofschlachthof in den Prozess trug.
Während der Richter bereits mehrmals den gesamten Saal mit hartem Tonfall beschallt hatte, wurden weitere kritischen Beobachter_innen und Unterstützer_innen immer noch durch die Polizeipräsenz vor Gericht und übertriebene Einlasskontrollen am Eingang aufgehalten.
Vielen wurde der Einlass zum Gerichtsgebäude gar nicht gewährt, obwohl sichtlich noch vereinzelte Plätze im Gerichtssaal frei geblieben waren.
Die Angeklagten im Gerichtssaal, die sich im Prozess erfolgreich dagegen wehrten, im Fließbandprinzip abgeurteilt zu werden, erklärten den Richter für befangen. Sie beantragten seinen Austausch, weil er ihre Wahlverteidiger_innen ablehnte und ihnen das Beschwerderecht gegen diesen Beschluss verwehrte. Dieser Antrag wurde ignoriert und die Angeklagten nach mehrfachen polizeilichen Übergriffen (aus denen sie Blessuren und Hämatome davon trugen) von entscheidenden Teilen des Prozesses ausgeschlossen und sogar in Zelle gebracht.
Ähnlich erging es einem der beantragten und abgelehnten Wahlverteidiger_innen der Angeklagten. Dieser wurde ohne Begründung ebenfalls für mehrere Stunden in eine Zelle gesperrt. Ein Strafantrag wegen Freiheitsberaubung wurde von Seiten dieses Verteidigers eingereicht.
Der Gerichtssaal wurde ebenfalls gewaltsam geräumt und allen Zuschauer_innen wurde angedroht, inhaftiert zu werden. Anschließend wurde allen Prozessbeobachter_innen, auch denen die bei den Verfahren noch nicht anwesend waren der Zutritt in das Gerichtsgebäude verwehrt. Eine Störung der Verhandlung durch ihre Anwesenheit konnte ihren Ausschluss und die Bäugung des Grundsatzes der Öffentlichkeit bei Strafverfahren nicht rechtfertigen. Lediglich Vertreter_innen der Presse wurde es gestattet das Geschehen zu verfolgen.

Vielleicht hatte Richter Huber nur einen schlechten Tag, vielleicht war er in seiner Aufgabe die bestehenden Ausbeutungsverhältnisse aufrecht zuhalten und Konzerne wie Wiesenhof zu schützen übereifrig, vielleicht war er auch schlicht und ergreifend überfordert damit das Angeklagte die minimalen Rechte, die ihnen die Strafprozessordnung einräumt, einforderten und durchzusetzen versuchten.

Das grundlegende Problem hierbei ist nicht ein einzelner Mensch, wie Richter Huber, sondern die Struktur der Herrschaftsverhältnisses, in der einzelne Menschen über das Schicksal von anderen entscheiden können. Viele Studien belegen, dass es innerhalb autoritärer Strukturen nicht zu weniger, sondern zu mehr Gewalt kommt. (http://www.projektwerkstatt.de/antirepression/justiz/strafe.html#buch)

Die Angeklagten sind im Vergleich zu anderen Polizeiübergriffen in der Bundesrepublik wohl glimpflich davon gekommen, da ihre Körper wahrscheinlich keine sichtbar bleibende Schäden davontragen werden. Die Gewalt, die Demütigung und der Entzug ihrer Bewegungsfreiheit die sie erfahren mussten, werden ihre Spuren hinterlassen.

Und das Urteil in diesem Prozess?
15 Tagessätzen für alle Angeklagten, trotz deutlich unterschiedlicher Vorwürfe. Die gewählte Höhe der Tagessätzen legt die Vermutung nahe, dass mit diesem Urteil weitere Rechtsschritte wie Revision oder Berufung erschwert bzw. verhindert werden sollen.
Was die Aussage haben könnte: Bitte nicht noch ein Prozess, wo Angeklagten ihre Rechte kennen und sich zum Ziel gesetzt haben, ihre Möglichkeiten im Prozess auszuschöpfen.
Zudem legte die Staatsanwaltschaft inzwischen Berufung ein und versperrte den Angeklagten somit vollends die Möglichkeit das Strafverfahren in Form einer Revision von einem höheren Gericht auf Rechtsfehler überprüfen zu lassen. Somit bleibt den Angeklagten lediglich die Möglichkeit sich der Berufung der Staatsanwältin anzuschließen und somit das Urteil, aber nicht den Ablauf des Verfahrens anzufechten.

Nachdem lange im Aktionsbündnis MASTANLAGEN WIDERSTAND über den Prozess diskutiert wurde, gab es unterschiedliche Sichtweisen und Perspektiven.
Einig sind wir uns alle in der Frage, dass unsere Solidarität denen gilt, die sich gegen bestehende Gewalt- und Herrschaftsverhältnisse stellen und, dass wir unsere große Anerkennung an die Angeklagten aussprechen möchten, für ihren Widerstand auch während des Prozesses.
Gleichzeitig möchten wir alle, die den Prozess kritisch sehen bzw. denen die Herangehensweise der beteiligten Aktivist_innen unklar ist, ganz herzlich einladen, gemeinsam darüber zu diskutieren und Ideen dazu auszutauschen.

Solidarität